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Mit eineinhalb Beinen bereits draussen: Doch der EC Wil kämpft sich mit einer starken Willensleistung in die Serie

16.02.2022

Jeder Schuss hätte das Aus im Playoff-Viertelfinal gegen Luzern und somit das Saisonende bedeuten können. Aber der EC Wil zog den Kopf nach einem 0:2-Rückstand aus der Schlinge und siegte dank eines Sonntagsschusses am späten Dienstagabend 3:2 nach Verlängerung.

Eine halbe Stunde war in der Eishalle Bergholz gespielt. Es sprach eigentlich nichts mehr für den EC Wil. Mit der jüngsten Mannschaft der Liga angetreten, lag er gegen Luzern in der Best-of-Five-Serie mit 0:2 und in Spiel drei mit dem gleichen Resultat zurück. Und das im Wissen, in dieser Saison alle drei vorangehenden Partien gegen Luzern verloren zu haben, seit drei Jahren in den Playoffs sieglos zu sein und eine schwache Heimbilanz mit nur drei Siegen in zehn Partien aufzuweisen.

Nur noch die treusten unter den 327 Zuschauern dürften in jenem Moment noch auf die Wiler gesetzt haben. Zum ersten Mal in dieser Serie lagen sie mit zwei Treffern im Rückstand. Nicht, weil sie die schlechtere Mannschaft gewesen wären. Die Gastgeber waren schlicht nicht konzentriert genug. Noch keine Minute war gespielt, als sie bereits in Rückstand gerieten. Und auch der zweite Gegentreffer war alles andere als zwingend.

Sechsmal die Torumrandung getroffen

Just als nichts mehr für die Wiler sprach, fanden sie irgendwie doch noch ins Spiel – und schliesslich in die Serie. Und dies mit einer bemerkenswerten Willensleistung. Nach gut 32 Minuten gelang Claudio Forrer unter den Augen von Stadtpräsident Hans Mäder der erlösende Anschlusstreffer. Und in der Startminute des Schlussdrittels glich Joel Moser aus. Auch hier war der Wille herauszustreichen. Der Wille, den Puck im Drittel der Luzerner zu halten, um dann abschliessen zu können.

So wurde Tatsache, was in dieser Serie bisher in allen drei Spielen Tatsache geworden war: eine Verlängerung. Zu dieser kam es, weil die Wiler viele Chancen vergaben und in der gesamten Partie gleich sechsmal die Torumrandung trafen: zweimal Latte, viermal Pfosten. Zur Verlängerung kam es aber auch, weil einige Aussetzer in der Hintermannschaft der Gastgeber ohne weitere Konsequenzen geblieben waren. Und weil Goalie Daniel Schenkel im Mitteldrittel ein scheinbar sicheres Luzerner Tor mit einem spektakulären Parade verhinderte.

Das Glück erzwungen

In der Verlängerung wussten die Wiler, dass jeder Schuss auf das eigene Tor das Out in den Playoffs bedeuten konnte. Da aber auch die Gäste die Torumrandung trafen, wogte das Spiel lange hin und her. Bis Captain Simon Steiner am Dienstagabend kurz vor 23 Uhr zu einem Sonntagsschuss ansetzte. Der abgefälschte Versuch landete im Tor. Trainer Kevin Schüepp sprach hinterher von einem «Glücksschuss». Gross war der Wiler Jubel, der einer Erlösung gleichkam. Endlich war der erste Playoff-Sieg seit dem 22. Februar 2018 Tatsache. Danach hatte es in diesem Format elf Niederlagen in Folge abgesetzt.

EC-Wil-Trainer Kevin Schüepp.

EC-Wil-Trainer Kevin Schüepp.

 

So ist der EC Wil weiter in einer Serie und weiss jetzt, wie es sich anfühlt, in den Playoffs das Eis als Sieger zu verlassen. Schüepp sagte:

«Die Moral der Mannschaft war top und der Sieg nicht gestohlen. Wir hatten dieses Mal jenes Quäntchen Glück, welches wir in den ersten beiden Partien nicht gehabt hatten.»

Fakt ist aber auch: Gewonnen ist für die Wiler noch gar nichts. Es wurde lediglich der kürzest mögliche Saisonverlauf abgewendet. Schon am Donnerstagabend müssen die Äbtestädter im Luzerner Eissportzentrum ein Break in Form eines Auswärtssieges schaffen, um sich eine «Belle» am Samstagabend im heimischen Bergholz zu erzwingen. «Wir waren schon fast tot. Dieser erste Sieg gibt uns viel Mumm für Donnerstag. Es dürfte aber wieder ein enges Spiel werden», sagte Schüepp. Spielbeginn ist um 20.15 Uhr.

Quelle: Wiler Zeitung